Bosch-Managerin erklärt, warum sie gekündigt hat und ihre Eltern pflegt

erschienen am 5. November 2023 im Kölner Stadt-Anzeiger

Auszug

Es ging also gar nicht nur um Ihre Eltern?

Vera Schneevoigt: Es ging außerdem darum, nach 38 Jahren Berufsleben die Frage zu stellen: Ist der Preis für meine Karriere vielleicht zu hoch? Was soll denn jetzt überhaupt noch kommen? Ich bin gleichzeitig sehr realistisch in der Einschätzung der Arbeitswelt. Der Schritt, seine Eltern zu pflegen, ist mit einer internationalen Karriere nicht wirklich vereinbar.

Wieso?

Auch wenn sich in der Wirtschaft bei Themen wie Kinderbetreuung oder Pflege etwas getan hat, haben wir es trotzdem immer noch mit sehr traditionellen, hierarchischen Systemen zu tun, die nicht dafür bekannt sind, im großen Stil ganz andere Führungsmodelle auszuprobieren. Ich konnte das selbst in den neun Monaten Teilzeit testen, die ich als Übergangsphase mit meinem Arbeitgeber vereinbart hatte. Ich habe viel Wert daraufgelegt, nur von Montag bis Mittwoch zu arbeiten. Donnerstag bin ich zu meinen Eltern gefahren und den Freitag habe ich freigehalten, um mein neues Leben zu organisieren. Trotzdem wurden für Donnerstag und Freitag immer wieder Meetings angesetzt. Ich hatte den Einfluss, die zu verlegen. Viele haben den nicht. (…)